Rosemarie Trockel erhält den Preis der Kulturstiftung Dortmund für ihr Lebenswerk
16.10.2026
Pressemitteilung: Kulturstiftung Dortmund
Feierliche Preisverleihung und Ausstellungseröffnung im Baukunstarchiv NRW würdigen eine der einflussreichsten Künstlerinnen ihrer Generation: Mit der Verleihung des Preises der Kulturstiftung Dortmund 2026 an Rosemarie Trockel hat die Kulturstiftung das herausragende Lebenswerk einer der international renommiertesten Künstlerinnen der Gegenwart gewürdigt.
Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Baukunstarchiv NRW in Dortmund nahm Galeristin Monika Sprüth in Vertretung für die Künstlerin den mit 25.000 Euro dotierten Ehrenpreis für ihr Lebenswerk in der Bildenden Kunst entgegen. Zugleich wurde die Ausstellung „Déjà-vu“ eröffnet, die einen facettenreichen Einblick in das vielschichtige Schaffen der gebürtigen Schwerterin gibt.
Zahlreiche Gäste aus Kunst, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft waren der Einladung zur Preisverleihung gefolgt. Nach der Begrüßung durch Ulrich Andreas Vogt, stellvertretender Vorsitzender der Kulturstiftung Dortmund, richtete Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti ein Grußwort an die Gäste. Die Laudatio hielt Dr. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig in Köln und Mitglied der
unabhängigen Fachjury, die Rosemarie Trockel für die Auszeichnung vorgeschlagen hatte.
In seiner Laudatio hob Dziewior die außergewöhnliche Vielseitigkeit und Eigenständigkeit des künstlerischen Werks hervor, das sich seit mehr als vier Jahrzehnten jeder eindeutigen Klassifizierung entzieht. Trockel verbinde unterschiedliche Materialien und Ausdrucksformen mit feinsinnigem Humor, produktiver Fragilität und einer ausgeprägten Widerständigkeit. Ihre Arbeiten hinterfragten gesellschaftliche Konventionen, kulturelle Zuschreibungen und das Verhältnis von Mensch, Tier und Technologie. Gerade in ihrer Offenheit und Widersprüchlichkeit liege die anhaltende Aktualität ihres Schaffens.
Die Kulturstiftung Dortmund würdigt mit dem Preis eine Künstlerin, die mit ihrer unverwechselbaren Bildsprache die internationale Kunstwelt nachhaltig geprägt und immer wieder neue Perspektiven eröffnet hat.
„Rosemarie Trockels Werk steht für eine außergewöhnliche künstlerische Freiheit, für den Mut, Grenzen zu überschreiten, und für eine beständige Auseinandersetzung mit den großen Fragen unserer Zeit. Mit dieser Auszeichnung würdigen wir nicht nur ein beeindruckendes Lebenswerk, sondern auch eine Künstlerin, deren Arbeiten uns immer wieder dazu anregen, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen“, betont René Scheer, Vorsitzender der Kulturstiftung Dortmund.
„Déjà-vu“: Ein vielschichtiger Blick auf das künstlerische Werk
Im Anschluss an die Preisverleihung erhielten die Gäste erstmals Einblicke in die Ausstellung „Déjà-vu“, die Rosemarie Trockel eigens für das Baukunstarchiv NRW konzipiert hat. Die Präsentation versammelt eine Auswahl von Pigmentdrucken aus unterschiedlichen Schaffensphasen und macht die Vielfalt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung sichtbar.
Die Arbeiten treten in einen Dialog miteinander und eröffnen ein spannungsreiches Zusammenspiel aus Vertrautem und Irritierendem, Realität und Inszenierung sowie Wissen und Imagination.
Der Ausstellungstitel „Déjà-vu“ verweist auf das eigentümliche Gefühl, etwas bereits gesehen oder erlebt zu haben. Trockels Motive erzeugen eine solche Vertrautheit, die sich bei näherer Betrachtung immer wieder auflöst und neue Fragen aufwirft. Die Künstlerin spielt dabei mit Wahrnehmung, Erinnerung und Erwartungen.
In ihren Arbeiten greift sie gesellschaftliche Themen ebenso auf wie Fragen nach Identität, Geschlechterrollen und dem Verhältnis von Mensch und Technik. Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Werkserie „Blind Mother“ zeigt ihre anhaltende Experimentierfreude und ihre zugleich kritische Auseinandersetzung mit technologischen Entwicklungen.
Dabei ist die Werkschau bewusst keine klassische Retrospektive, sondern eine zeitgenössische Würdigung einer Künstlerin, deren Werk sich kontinuierlich weiterentwickelt. „Diese Ausstellung ist eine besondere Gelegenheit, das facettenreiche Werk von Rosemarie Trockel in Dortmund zu erleben. Ihre Arbeiten entziehen sich einfachen Deutungen und laden dazu ein, sich auf neue Sichtweisen einzulassen. Damit steht die Ausstellung beispielhaft für das, was die Kulturstiftung Dortmund mit ihrem Engagement erreichen möchte: Kunst zugänglich machen, zum Nachdenken anregen und kulturelle Impulse setzen“, erklärt Ulrich Andreas Vogt, stellvertretender Vorsitzender der Kulturstiftung Dortmund.
Mit der Auszeichnung an Rosemarie Trockel wird der Preis der Kulturstiftung Dortmund in der Sparte Bildende Kunst erstmals seit 2012 wieder vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Jörg Immendorff, Jürgen Partenheimer, Otto Piene und Heinz Mack. Der seit 1998 verliehene und mit 25.000 Euro dotierte Ehrenpreis würdigt herausragende künstlerische Lebenswerke aus den Bereichen Musik und Bildende Kunst.
Die Ausstellung „Déjà-vu“ ist noch bis zum 15. November 2026 im Baukunstarchiv NRW, Ostwall 7, in Dortmund zu sehen.
Über die Kulturstiftung Dortmund: Seit 1992 setzt sich die Kulturstiftung Dortmund als Initiative der Dortmunder Wirtschaft unter dem Patronat der IHK zu Dortmund für ein lebendiges und vielfältiges Kulturleben in der Westfalenmetropole ein. Sie vereint Unternehmen und engagierte Bürgerinnen und Bürger, die davon überzeugt sind, dass Kunst und Kultur wichtige Motoren urbaner Identität sind. Ob Musiktheater, Ballett, Konzert oder Ausstellung – die Stiftung fördert Projekte, die Dortmunds kulturelle Vielfalt sichtbar machen und
stärken. Zu ihren besonderen Initiativen zählt die Gründung des Konzerthauses Dortmund.
Auch das Baukunstarchiv NRW und der Orgelneubau in der Reinoldikirche stehen beispielhaft für ihr nachhaltiges Engagement. Mit dem Preis der Kulturstiftung Dortmund würdigt sie herausragende künstlerische Lebenswerke und setzt Impulse für die kulturelle Entwicklung der Stadt. Mehr Info: www.kulturstiftung-dortmund.de